Ziele erreichen

Beharrlichkeit ist ein schönes altes Wort für Dranbleiben. Das ist wichtig, um Ziele erreichen zu können. Das war früher wohl auch einfacher als heutzutage. Denn Dranbleiben ist laut dem Psychologen Wolfgang Schmidbauer etwas, dass uns heute schwer fällt, denn wir befinden uns in einer schnelllebigen Zeit mit Wegwerf- und Zapping-Charakter, auch was unsere Ziele betrifft. Schmidtbauer nennt das die „schnellsterbige“ Zeit. Für kurzfristige Ziele und Zwischenziele ist Konzentration hilfreich. Aber Sie können nicht ständig konzentriert sein – das sagt uns schon der gesunde Menschenverstand (GMV). Konzentration ist die „Bündelung von Aufmerksamkeit“, Dranbleiben die „Verteilung der Aufmerksamkeit und der verfügbaren Energie“, so Schmidbauer. Und damit können wir Ziele gelassen erreichen.

„Konzentration ist Taktik, Dranbleiben ist Strategie. (…) Es kann sogar notwendig sein, ein Ziel aus den Augen zu verlieren, um es zu erreichen.“ (Wolfgang Schmidbauer: Dranbleiben, die gelassene Art Ziele zu erreichen, Herder, 2009, S.9)

Ziele erreichen: Dranbleiben heißt loslassen

Wenn Sie nachts mit dem Auto fahren, sehen Sie nur soweit, wie die Scheinwerfer leuchten, und können doch Ihre Ziele erreichen, wenn sie das Ziel kennen und eine Landkarte oder ein Navigationsgerät besitzen. „Konzentration heißt erfassen und festhalten; Dranbleiben heißt loslassen und lenken. Der Feind der Konzentration ist die Ablenkung; der Feind des Dranbleibens die Ziellosigkeit.“ (Schmidbauer, S.9)

Dranbleiben hat auch etwas mit Zeit und Geduld zu tun. Geduld ist ein Phänomen der Professionalität und ein Ausdruck von Gelassenheit. Bei Amateuren muss immer alles schnell gehen, denn sie brauchen das Ergebnis, um zu ahnen, dass sie richtig liegen. Der erfahrene Profi weiß, dass er seine Ziele erreichen wird, auch wenn das Endergebnis oder Ziel noch weit entfernt ist. Gut zu beobachten ist das bei Künstlern.

„Den professionellen Künstler unterscheidet vom Amateur vielleicht noch mehr als das reine Talent die Geduld, mit der er sich Schritt für Schritt an sein Werk heranarbeitet. Amateure müssen schnell fertig werden. Ihnen ist der Eindruck des Gelingens sehr wichtig. Sie brauchen ihn, um Ihren Mut nicht einzubüßen. (…) Langsam, planmäßig, systematisch an etwas heranzugehen gehört in den Kontext der Professionalität.“ (Schmidbauer, S.83)

Profis: Ziele erreichen mit Geduld

Das gilt auch für das Erreichen von Zielen. Sind Sie Profi darin, passende Ziele zu finden und Ziele zu erreichen? Wenn nicht, könnte es passieren, dass Sie zu ungeduldig sind, Ihr „Bild zu schnell fertig malen möchten“ und alles versauen. Mir ging das früher häufiger so. Ich war verdammt ungeduldig. Da ich manche Dinge zu früh angegangen war, beispielsweise bevor ich das nötige Wissen für eine geschäftliche Aufgabe erworben hatte, mir die Erfahrung fehlte und deshalb auch meine Bauchentscheidung daneben lag (Intuition braucht auch Erfahrung), musste ich zwangsweise auf die Schnauze fallen. Als junger Studioleiter eines Radiosenders hatte ich verdammt viel gearbeitet und eben so viel Mist fabriziert, weil ich unendlich Gas gegeben hatte. Meine Ziele erreichen konnte ich so nicht. Es war spannend, aufreibend, lehrreich, – und ich müsste es nicht wieder haben.

Ziele erreichen und gelassen bleiben

Ziele erreichen Sie unter anderem dadurch, dass Sie gelassen bleiben, Geduld haben und im richtigen Moment das Richtige tun, ohne das Ziel aus dem Sinn zu verlieren. Wichtig ist, dass Sie Ihre Ziele so wählen, dass Sie mit Ihren „Größenphantasien“ übereinstimmen. Manche Ziele sind für Sie nun einmal im Moment nicht zu erreichen – basta. Lassen Sie sich da nicht von „Geheimnisverkäufern“ etwas anderes versprechen. Das ist Unsinn. Später passen vielleicht auch diese Ziele.

Also Geduld. „Alles ist für jeden immer möglich“-Versprechen oder Geheimnis-Gefasel zum Ziele erreichen bringt Sie da nicht weiter. Eher in die falsche Dimension. Damit verlieren sich manche und damit auch ihre Ziele. Achten Sie lieber auf die richtige Vorgehensweise, die fundierte Methode. Manchmal ist es wirklich ganz einfach, wenn Sie wissen wie es geht.

Ohne gefühlte Anstrengung seine Ziele erreichen

Wie bekommt man einen kleinen, müden Jungen dazu, zwei Stunden tapfer zu marschieren?

„Er (der Vater) nimmt ein hölzernes Spielzeug und wirft es immer 20 Schritte nach vorne. Das Kind läuft dem Wurf nach und vergisst darüber seine müden Beine. Diese Szene bietet ein elementares Beispiel für den Prozess, in dem wir uns ein Ziel setzen.“ (Schmidbauer, S.76)

In dem Fall ist der Vater der Profi, der weiß, wie beide gemeinsam ihr Ziel erreichen. Geduldig, 20-Meter für 20-Meter. Hier entsteht eine Art Flow. Der Flow ist ein Zustand, in dem Menschen ganz in Ihrem Tun aufgehen, die Zeit vergessen. Alle Energie fließt in das Tun, keine Energie wird an Kontrolle, Kritik, Bedenken, Ängste oder Zweifel verschwendet. Profis kommen häufiger in diesen Zustand. Im Sport gut zu beobachten, aber auch bei Künstlern, Fliesenlegern oder Kindern. Alle Energie ist dann auf ein Ziel gerichtet. Reibungsverluste gibt es nicht.

„Im Flow wird das Dranbleiben sozusagen paradox: Indem keinerlei Mühe aufgewendet wird, es zu leisten, geschieht es. Wir machen uns selten klar, dass der Prozess, indem ein Mensch zu seiner Identität findet, immer darauf beruht, dass wir uns von Überflüssigem trennen und aus einer Vielzahl von Möglichkeiten die richtigen auswählen.“ (Schmidbauer, S.79)

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