Vietnam Privatwirtschaft

VIETNAM - ENTWICKLUNG DER PRIVATWIRTSCHAFT –

AUSBLICK ZUM EU - VIETNAM FREIHANDELSABKOMMEN (EVFTA)

Die Privatwirtschaft ist ein wesentlicher Bestandteil wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung. Doch Vietnam hat im Verhältnis zu seinen Nachbarländern weniger privatwirtschaftlich organisierte Unternehmen.

Private Unternehmen fördern die Schaffung von Arbeitsplätzen, das Bruttoinlandsprodukt und die Wettbewerbsfähigkeit. Um die Entwicklung der Privatwirtschaft zu fördern, sollte Vietnam Anstrengungen unternehmen zur Verbesserung von technischem Fortschritt und der Unterstützung von Innovationen, Maßnahmen gegen Korruption entwickeln und außerdem die Rückkehr junger vietnamesischer Talente nach Vietnam fördern.

Förderung von Innovation, internationaler Zusammenarbeit und globaler Versorgungskette

Die Landwirtschaft ist ein gutes Beispiel für Unterschiede zwischen vietnamesischer Wirtschaft und der Situation in Industriestaaten. In Vietnam besteht der Agrarsektor hauptsächlich aus kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) mit niedrigem Produktwert, von denen die meisten nicht in Hightech-Anlagen investiert haben. Zur Steigerung der Produktivität müssen also nicht nur technologischer Fortschritt, sondern auch Innovationen und Investitionen im Hightech-Bereich gefördert werden. Die Zusammenarbeit mit ausländischen Unternehmen würde die Entwicklung und Nutzung neuer Technologieprodukte, Erfindungen, Maschinen, die zweifellos den Produktwert und die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen, beschleunigen.

Darüber hinaus könnten vietnamesische Unternehmen durch Gründung weltweiter Marken an internationalen Messen und Ausstellungen teilnehmen, in denen sie in Kontakt mit anderen Unternehmen und technischen Fortschritten kämen. Die vietnamesischen Unternehmen könnten so Know-How durch die internationale Zusammenarbeit mit ausländischen Unternehmen entwickeln. Die vietnamesische Regierung und die vietnamesischen Verbände könnten Konferenzen organisieren, um außerhalb Vietnams für Industrie und Produkte zu werben, und um die Wertigkeit der Produkte international zu vergleichen und die Erwartungen der ausländischen Verbraucher nachzuvollziehen.

Private Unternehmen sind noch nicht fähig die komplette Lieferkette zu betreiben, was große Auswirkungen auf den Export hätte. Tatsächlich zieht dies erhöhte Kosten für fertige Produkte, sowie längere Verzögerung für die Produktion und außerdem eine verringerte Wettbewerbsfähigkeit nach sich. Regelungen zur Förderung der lokalen Investitionen und der internationalen Zusammenarbeit für den Erwerb neuer Techniken und Technologien müssen verabschiedet werden. Mit dem Transpazifischen Abkommen (TPP), dem EU – Vietnam Freihandelsabkommen und allen weiteren Freihandelsabkommen die Vietnam unterzeichnet hat, werden weitere Schritte von Vietnam erwartet.

Bekämpfung der Korruption und Unterstützung der kleinen und mittelständischen Unternehmen

Das Entwicklungsministerium stellte fest, dass die Hälfte der vietnamesischen Unternehmen Schwierigkeiten hat, Kredite zu erhalten, aufgrund der mangelnden Transparenz in ihren Betrieben, was durch inoffizielle Zahlungen an Regierungsstellen verursacht wird. Die Regierung hat bereits im April 2016 ihren Willen zur Bekämpfung der Korruption in der vom Premierminister vorgelegten Richtlinie 12/2016 / CT-TTg bekundet, die alle Ministerien, Volksausschüsse und die Regierungsstellen der direkten Kontrolle im Umgang mit Korruptionsfragen unterwirft. Darüber hinaus entwirft die Regierung ein Gesetz zur Unterstützung von kleinen und mittelständischen Unternehmen und zur Stärkung ihrer Rolle in der globalen Lieferkette. Ein praktisches Mittel zur Kontrolle der Korruption könnte darin bestehen, die Verwendung legitimer Zahlungen an Regierungsagenturen zu fördern und ethische Verhaltenskodizes zu erlassen.

Die Regierung hat die Pflicht, die Entwicklung für die Unternehmen der Privatwirtschaft zu verbessern, indem sie die Kontotransparenz und die Präferenzregelungen anregt. Zur Erfüllung ihrer Aufgaben und zur Erleichterung des Kreditzugangs für kleine und mittelständische Unternehmen sollte die Regierung auch eine Verbindung zwischen den Kapital- und Kreditinstituten herstellen. Um die Kreditvergabe zu erleichtern, sollte die Regierung daher die Zinssätze senken und die Kreditinstitute dazu bewegen, vermehrt Kredite an Unternehmen zu vergeben.

Verbesserung der Corporate Governance (engl. für Unternehmensführung)

Die Entwicklung der Privatwirtschaft geht einher mit der Reformierung des Gesellschaftsrechts 2014, in dem die Regelungen der Regierung umfassender waren als in dem früheren Unternehmensgesetz von 2005. Trotzdem könnten im Hinblick auf die Unternehmensführung weitere Anstrengungen verwirklicht werden um internationale Standards zu erreichen. Die meisten ausländischen Unternehmen wählen die Form der Einzelgesellschaft (engl. Single Member Limited Liability Company, kurz: SMLLC), um ihre Präsenz in Vietnam zu etablieren.

Wenn man der Frage nachgeht, wie ein Manager seine Kompetenzen ausübt, zeigt sich schnell dass es notwendig ist, die Corporate Governance und die Integrität zu verbessern. Artikel 75 des Gesetzes über die Unternehmensführung gibt dem Manager hierfür die Zuständigkeit im Umgang mit seinem Geschäft. Der Eigentümer kann jedoch seine Befugnisse nicht direkt ausüben und muss durch den Rat oder den Präsidenten der Gesellschaft handeln, was bedeutet, dass er nur die Befugnis hat, die für das Unternehmen handelnden Personen zu benennen und ihre Entscheidungen zu veranlassen. Die Verordnungen sollten daher spezifischer trennen zwischen Entscheidungen, die die Genehmigung des Eigentümers erfordern und solche die dies nicht voraussetzen.

Eine grundsätzliche Klarstellung von Bestimmungen zur Corporate Governance würde zur Entwicklung eines klaren und transparenten Geschäftsumfelds und zur Förderung der Integrität bei der Gründung und Transaktionen von Unternehmen beitragen.

Akquirierung und Ausbildung von qualifizierten Arbeitskräften

Junge Talente wie vietnamesische Studenten oder junge Berufstätige im Ausland müssen überzeugt werde nach Vietnam zurückzukehren, da sie am einfachsten ausländisches Know-how nach Vietnam bringen um dem unstreitig bestehenden Innovationsbedarf gerecht zu werden. Die Regierung sollte dann die Förderung der Kenntnisse dieser Talente fördern, insbesondere jene, die im Ausland erworben wurden. Um sie zu überzeugen, sollten private Unternehmen Studenten oder Fachleuten eine angemessene Vergütung und die Möglichkeit bieten, Teilhaber in Unternehmen zu werden, was im optimalen Fall zu einer dauerhaften beruflichen Beziehung führt.

Die Mitarbeiter von Unternehmen, die Expertise aus dem Ausland erlangen, benötigen vor Ort eine spezifische Schulung, und einen Spill-Over-Effect (engl. für Überschusseffekt) zu vermeiden, d.h. um den industriellen Anforderungen hinsichtlich Produktivität, Produktqualität usw. gerecht zu werden. Erst dann werden kleinere und mittlere Unternehmen in der Lage sein, eine Versorgungskette von Grund auf durchzuführen. Die Regierung sollte die Schaffung von Fachschulen und die Entwicklung intensiver Ausbildungszentren in Zusammenarbeit mit lokalen Universitäten unterstützen. Die Wettbewerbsfähigkeit der privaten Unternehmen beginnt mit hoch qualifizierten Arbeitskräften.

Ausblick auf das EU - Vietnam Freihandelsabkommen

Am 2. Dezember 2015 wurde das EVFTA unterzeichnet und soll bis Januar 2018 in Kraft treten. Im Rahmen dieser Vereinbarung werden nahezu alle Tariflinien verschwinden und viele Abgaben im Unternehmensbereich verringert. Für einige Erzeugnisse wie landwirtschaftliche Erzeugnisse werden Zollkontingente eingeführt.

Es sind viele Konsequenzen hieraus zu erwarten. Erstens die Konsolidierung der privilegierten Position Vietnams in der ASEAN als eines der wenigen Länder, das ein Freihandelsabkommen mit der EU unterzeichnet hat (mit Ausnahme von Singapur, das jedoch mit völlig anderen Produkte handelt). Zweitens hat Vietnam zunächst einigen Nachholbedarf zu erfüllen, insbesondere in Bereichen Produktivität, Produktwert und Mitarbeiterqualifikation. Erst dann wird eine Menge von Investitionen von Europa nach Vietnam fließen und Kapital zu mehr Unternehmen bringen. Innovative Produkte und Techniken werden finanziert und eine vollständige Produktionskette in der Textil- und Schuhindustrie durchzuführen.

Schließlich wird auch erwartet, dass die Reallöhne von Facharbeitern um bis zu 12% steigen werden, was dazu führt, dass mehr Studenten und junge Berufstätige in Übersee nach Vietnam kommen. Das EVFTA unterstützt die Regierung bei der Unterstützung privater Unternehmen durch Investitionen und die erwarteten Folgen.

Zusammenfassung

- Die Situation für die vietnamesische Privatwirtschaft ist derzeit prekär. Die Entwicklung privater Unternehmen bleibt ein wichtiges Anliegen, und das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Vietnam sollte der Regierung helfen private Unternehmen zu unterstützen.

- Innovationen sind der Schlüssel für den Zugang zur Erstellung einer kompletten Lieferkette und erfordert bestimmte Schritte, um dies zu erreichen: junge Talente, günstige Rechtsgrundlagen und Kapital.

- Bildung durch gut durchdachte Programme und Studienaufenthalte im Ausland ist notwendig, um die Belegschaft vorzubereiten, um neue Anforderungen zu erfüllen und den Wert der Produkte und die Wettbewerbsfähigkeit der privaten Unternehmen zu steigern.

- Korruption behindert die Weiterentwicklung der Privatwirtschaft, weil sie den Kreditzugang begrenzt und die ausländischen Investoren verunsichert. Dieses Thema wirkt sich auch auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung aus und erfordert die unverzügliche Reaktion der Regierung durch verbindliche Regelungen.

- Von den Reformen im Bereich der Unternehmensführung profitieren vor allem die Einzelgesellschaften durch die Schaffung eines klaren und transparenten Umfelds und die Förderung ihrer Integrität.

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Bitte zögern Sie nicht, Herrn Rechtsanwalt Oliver Massmann unter omassmann@duanemorris.com zu kontaktieren, sofern Sie Fragen haben oder mehr darüber erfahren möchten. Oliver Massmann ist der Geschäftsführer von Duane Morris Vietnam LLC.

Vielen Dank!

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