Verein des Wissens Die richtige Finanzierung

Die richtige Finanzierung

Um es gleich vorwegzunehmen: Die perfekte Finanzierung gibt es nicht! Und das hat zwei Gründe. Zum einen ist jede Fremdfinanzierung mit einem Risiko verbunden, und zum anderen kostet jeder fremdfinanzierte Euro Zinsen. Deshalb ist die beste Finanzierungsform für das selbst genutzte Wohnungseigentum noch immer die mit Bargeld. 

Da wir aber davon ausgehen müssen, dass ein Großteil der Menschen wohl kaum über größere Bargeldsummen verfügt, werden wir in diesem Teil des Lehrgangs Mittel und Wege aufzeigen, wie Sie das Risiko einer Immobilienfinanzierung auf ein Minimum reduzieren können. Das fängt schon mit der Auswahl des Standortes an und endet mit dem Darlehensvertrag. Sie dürfen nie vergessen, dass Sie mit jeder Finanzierung ein Stück Macht aus Ihren Händen geben. Gläubiger entscheiden nämlich, wie Sie den Kredit zu bedienen haben. 

Wenn Sie eines Tages aus einem solchen Kredit aussteigen müssen, werden Sie sehr schnell sehen und leider auch am eigenen Geldbeutel spüren, zu welchen Bedingungen dieses nur möglich ist. Doch so viel Eigenkapital anzusparen, um davon ein Haus bar zu bezahlen, gehört in das Reich der Fantasien. Wichtig ist nur, dass Sie besonders vorsichtig sein müssen, wenn Sie ein Darlehen aufnehmen möchten. Auch oder gerade, wenn Ihnen die Werbung täglich etwas anderes erzählt, Sollten Sie wissen, dass die Kreditgeber von der Vergabe der Darlehen leben. Je höher der Kredit, desto höher der Verdienst. Doch merke:

Jeder Finanzberater braucht Ihren Abschluss. Die Frage ist nur, wie einfach Sie es ihm machen.

Tatsächlich aber ist es so, dass eine richtige Baufinanzierung einfach ist. Sie beruht doch auf Gesetzen der Finanzmathematik. Schwierig dagegen wird es, wenn Ihnen Verkäufer so genannte Finanzierungsmodelle, -konzepte oder     -lösungen verkaufen möchten. Wenn Sie sich das erste Mal mit dem Finanzieren von Immobilien beschäftigen, werden Sie feststellen, dass der Markt unüberschaubar ist.

Denn ähnlich wie im Steuerrecht ist es auch beim Erwerb von Immobilien: Kaum ein Bürger ist mehr in der Lage, diese Materie zu durchschauen, zu organisieren oder eigenständig zu regeln. Aber im Steuerrecht ist es mittlerweile eine Selbstverständlichkeit, einen Fachmann zu Rate zu ziehen oder ihn mit den zu regelnden Angelegenheiten zu betrauen.

Im komplexen Bereich der Immobilien vertrauen die Rat suchenden Bau- und Kaufinteressenten immer noch viel zu sehr den Angeboten der Makler, Banken, Versicherungen und Bausparkassen, deren einziges Augenmerk in aller Regel darauf ausgerichtet ist, eigene Produkte zu verkaufen. Die Mitarbeiter der einzelnen Gesellschaften sind deshalb aufgrund ihrer Abhängigkeit gezwungen, Abschlüsse und Verträge im Sinne ihres Hauses zu tätigen; jedoch nicht immer zum Wohle des Kunden. Der so genannte Berater ist allzu oft ein an höchstmöglicher Provision interessierter Verkäufer.

Sich bei der Auswahl geeigneter Produkte allein auf Werbeaussagen der Anbieter zu verlassen bedeutet, den Interessen anderer zu dienen. Großflächige Anzeigen, flotte Werbesprüche oder schöngerechnete Finanzierungs- und Renditebeispiele mögen etwas über Fantasie und Rechenkünste der Anbieter aussagen, eine Entscheidungshilfe stellen sie indes nicht dar. Die Qual der Wahl hat der Kreditkunde angesichts der zahlreichen Anbieter. 

In vielen europäischen Ländern ist die Auswahl der Kreditanbieter nicht so vielfältig wie in Deutschland. Immer mehr große Banken schlucken die kleinen. Das führt natürlich zu einer großartigen Verschiebung der Verhältnisse. Heute entfallen in der Eurozone 42,9 Prozent der Bilanzsumme aller Banken zusammen auf die fünf größten Institute. Während in Deutschland die Marktanteile noch sehr weit gestreut sind, hier entfällt etwas mehr als ein Fünftel des Gesamtmarktes auf die fünf größten Banken, sieht es in vielen Ländern ganz anders aus. In Frankreich und Luxemburg z.B. vereinen die Top-5-Banken über die Hälfte des Marktanteils auf sich, in Belgien, in den Niederlanden und in Finnland sind es sogar über 80 Prozent. 

Darüber hinaus gibt es eine Fülle so genannter selbstständiger Finanzberater, die Ihnen ein Immobiliendarlehen vermitteln möchten. Dabei ist der Begriff „unabhängiger Finanzberater“ irreführend, da es keinen wirklich unabhängigen Berater gibt, es sei denn, er nimmt für seine Beratung ein Honorar und schließt jede Vermittlung eines Darlehens aus. Den aber können sich nur die wenigsten leisten, wie eine Untersuchung des Handelsblattes gezeigt hat. Die Redakteure haben sich nämlich einmal die Mühe gemacht und die Kosten für Vermögensberater verglichen. Das Ergebnis könnte unterschiedlicher nicht sein. Leider liegen uns keine vergleichbaren Zahlen aus anderen europäischen Ländern vor, sodass wir hier auf deutsche Zahlen zurückgreifen müssen. Es wird deutlich, dass wir hier keinesfalls von Peanuts reden. 

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