Emotional Reisen

"emotional reisen"
Interview von Georg Cornelius Freundorfner mit der Autorin Christina Reinke
   GCF: "Welche Vorstellung soll geweckt werden beim Lesen dieser Worte, was erwartet man in einem Buch mit jener Vorgabe? Heißt Emotionen haben ein Schwelgen in überbordenden Gefühlen, um danach ins Leere zu fallen?"
   C. Reinke: "Auf all meinen Reisen, deren Eindrücke ich in meinen Büchern geschrieben habe, geht es tiefgreifend um Emotionen und Impressionen. Deshalb spreche ich aus guten Gründen von "emotional reisen". Gefühle, Emotionen und Stimmungen sind ein wesentlicher Teil zwischenmenschlicher Kommunikation. Obwohl ich die Sprache des jeweiligen bereisten Landes beherrschte, gab es auch nonverbale Verständigung, die nicht weniger eindrucksvoll war. Wenn ich zum Beispiel im alti plano (Hochebene  in Bolivien auf 4000 Meter Höhe) einen Quechua (Sprache der Eingeborenen) sprechenden Menschen traf, fiel ein gegenseitiges strahlendes Lächeln tief in unsere Seelen,  ohne Worte."
   GCF: "Wie werten Sie Gruppenreisen?"
   C. Reinke: "Auch das organisierte Reisen im Verband mit einer großen Anzahl Reisender, die gleichzeitig ein und dasselbe tun und betrachten, hat seinen Sinn und seine Wertigkeit. Denn sie werden ebenfalls gute Gefühle und Erinnerungen aus ihren Erlebnissen mit nach Hause nehmen. Jedoch sind die unerwarteten und ungeplanten Begegnungen und Ereignisse die tiefsten, und ich behaupte, es sind diejenigen, die nie verblassen. "emotional reisen", wie ich es verstehe, ist eingebettet in Verharren, Beobachten, Wahrnehmen,  in Stille und Ruhe  sein, um dem Erleben Raum zu geben.
   GCF: "Können Sie mir ein konkretes Beispiel nennen?"
   C. Reinke liest einen  Abschnitt  aus ihrem Buch --otro mundo - Reiseerzaehlungen aus Lateinamerika .

Wir befinden uns in Cusco in Peru. In Cusco habe ich einen kleinen Freund gefunden, meinen speziellen Schuhputzer. Jeden Morgen gehe ich die calle Garcilosa hinunter, quere die calle Heladeros und gelange zunächst auf die staubige, sandige plaza de Recocigo. Ich spreche von den Eigenschaften dieses Platzes, weil ich sie benötige, um meine braunen Ledersandalen schmutzig zu machen. Dreimal schlurfe ich, als ob ich ein Gebrechen hätte um das Rondell und mit einem Blick auf meine Sandalen weiss ich, Juanito, so heißt er, wird sich freuen. Ich setze meinen Weg fort bis zur Plaza de armas, ergattere eine Bank, vertiefe mich ein wenig in mein Buch und strecke meine Sandalenfüße nach vorne. Da kniet auch schon Juanito vor mir. "Senora?" Ein kleines Nicken meinerseits und er beginnt mit Hingabe das Leder auf Hochglanz zu bringen. Ich respektiere seinen Job, er ist Schuhputzer und er ist scheu und ich habe Scheu, ihm die Fragen zu stellen, die mir auf der Zunge brennen. So bleibt unsere Kommunikation stumm, im Inneren stark. Ich gebe ihm das verlangte Geld und sage: "Hasta manana", bis morgen. So geht es tagelang, bis ich "adios!" und "mucha suerte" (Viel Glück) sage; da weiß er, es ist das letzte Mal gewesen. Meine Sandalen glänzen heute noch.

In Lateinamerika habe ich 3 Patenkinder, das beruhigt mich sehr."

GCF: besten Dank fuer das Interview und weiterhin viel Freude beim emotionalen reisen.

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Otro Mundo: Reiseerzählungen aus Lateinamerika ISBN 978-3-89514-652-7

Wenn ich reise bin ich glücklich: ISBN 978-3-89514-476-9 ( durch die Wuesten von Arizona )




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