Burnout - nur ein Fake?

Burnout nur ein Fake?

Seit mehreren Jahren ist das Phänomän Burnout in aller Munde. Gleichzeitig zweifeln immer noch viele Arbeitgeber die Existenz einer echten Erkrankung bei Ihren MitarbeiterInnen an und halten Burnout für eine neue Modeerscheinung, manche sogar für eine Strategie, um sich nicht verändern zu müssen - also einen Fake.

Dabei sprechen wissenschaftliche Untersuchungen eine eindeutige Sprache:  die Zahlen der diagnostizierten Burnout-Fälle - auch wenn sie unter anderen Namen wie z.b. "stressbedingte Erschöpfungsdepression" diagnostiziert werden - nehmen dramatisch zu. Laut einer Statistik im Fehlzeitenreport 2015 sind die Arbeitsunfähigkeitstage durch psychische Erkrankungen in den letzten 10 Jahren um fast 70% gestiegen.

Der therapeutische Ansatz ist häufig auch medikamentös begleitet, unter anderem kommen vermehrt Schlafmittel oder antidepressive Medikamente zum Einsatz. Ganz abgesehen davon, dass viele dieser Medikamente schnell in eine Abhängigkeit führen können, liefert gerade die wissenschaftliche Erforschung von Depression immer deutlichere Hinweise auf mögliche komplementäre Methoden. So zum Beispiel eine Studie des Universitätsklinikums Tübingen (Quelle:https://www.medizin.uni-tuebingen.de/Presse_Aktuell/Pressemeldungen/2015_04_10-port-10443-p-131020.html):

"Depressive Erkrankungen sind gekennzeichnet durch eine mangelnde Bewältigung und Kontrolle von negativen Eindrücken, Gedanken und Gefühlen. Patienten in der akuten Phase einer Depression werden von ihnen geradezu überschwemmt.

Mit Psychotherapie und antidepressiven Medikamenten kann zwar vielen Patienten gut geholfen werden, ein besseres Verständnis der neurobiologischen Grundlagen dieser Erkrankung könnte aber eine noch gezieltere und effektivere Therapie ermöglichen. In der neurologischen und psychiatrischen Therapieforschung werden schwache elektrische Ströme, die transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS), als Behandlungsmöglichkeit der Erkrankung untersucht. Und das mit vielversprechendem Erfolg, wie neueste Veröffentlichungen zeigen.

In einer vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützten Forschungsinitiative untersuchen Psychiater und Psychologen der Universität Tübingen unter der Leitung von Prof. Christian Plewnia und Prof. Andreas J. Fallgatter die Wirkung einer Stimulation des Gehirns auf charakteristische Veränderungen von Wahrnehmung, Denken und Handeln bei Patienten mit Depression. Auf Grundlage dieser Erkenntnisse sollen neue Möglichkeiten zur zielgerichteten Behandlung entwickelt werden.

Bei vielen psychiatrischen Erkrankungen ist die Wahrnehmung und Verarbeitung bestimmter, bei Depressionen vorwiegend negativer Informationen verstärkt. Die diesbezügliche Steuerung emotionaler Aufmerksamkeits- und Informationsverarbeitungsprozesse ist vor allem Aufgabe des Stirnhirns. Bei Patienten mit Depressionen ist die Aktivität dieses Hirnbereichs und damit die Kontrolle über die Verarbeitung emotionaler Informationen verringert. Mit Hilfe schwacher elektrischer Ströme ist es möglich, die Aktivität dieses Hirnbereichs zu unterstützen. Dieses vergleichsweise einfache und die Patienten kaum belastende Verfahren der sogenannten transkraniellen Gleichstromstimulation (tDCS) wird derzeit in zahlreichen Bereichen der neurologischen und psychiatrischen Therapieforschung eingesetzt."

Die Frage die sich Unternehmen, aber vor allem auch Resilienz-Trainer, Burnoutberater und Coaches stellen sollten, lautet: wenn es gelingt, Menschen Instrumente, Methoden und Strategien an die Hand zu geben, die sie bei der Bewältigung und Kontrolle von negativen Eindrücken, Gedanken und Gefühlen im Alltag unterstützen, lässt sich dann eine Burnout-Erkrankung im Vorfeld vielleicht überhaupt verhindern? Wir dürfen gespannt auf künftige Ergebnisse aus der Welt der Kognitions- und Verhaltensforschung warten.

Diesen Artikel weiterempfehlen:Sie dürfen diesen Artikel gerne über social media teilen oder per eMail versenden.
Um auf diesen Beitrag einen Kommentar zu schreiben, müssen Sie angemeldet sein.
Bitte klicken Sie hier um sich anzumelden, oder hier um sich einzuloggen.